Der Preis für einen Blick in die Düssel-Auen: Korrekt parken..

(#31) Mit Tunnelblick und Bisamratte

in Düsseldorf/Erkrath/Neandertal/Natur

Wie wir auf einer überdachten Bank sitzen und die Düssel beobachten / Wie wir einen Biber in Gestalt einer Bisamratte sehen / Und wie wir eine Mühle besuchen, ohne Wein zu kaufen.

Warum nicht mal mit der Pause beginnen? Die Pause – das ist der Joker, den der müßiggehende Flaneur stets freigebig in der Hinterhand hält, im Gegensatz zum kilometerfressenden Wanderer. Die Pause, um die es hier geht, ist eine Pause mit Tunnelblick. Mein bester Freund P. und ich sind soeben eine Böschung hinuntergestiegen, und nun stehen wir unter der Bahntrasse, die den Kreis Mettmann mit Düsseldorf-Gerresheim verbindet. Vor uns: Die Düssel, munter plätschernd. So als sei sie aufgeregt, bald die große Stadt zu erreichen.

Die Düssel und die Bahntrassen: Das ist ein Thema, das uns Flussaufwärts-Flaneure seit Unterbilk begleitet. Mal eben spontan und weltexklusiv ausrechnen, wie viele Bahntrassen, unser Flüsschen seit der Mündung in den Rhein unterquert hat: Eine in Unterbilk, drei in Eller/Vennhausen – und eine hier, in Gerresheim/Erkrath. Nummer 5!

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Pause also, und weil zumindest für uns zum Pausemachen das Hinsetzen dazugehört, nehmen wir auf einer grünen Bank unter der Bahntrasse Nummer 5 Platz.

„Hast du die Parkbank bestellt?“, fragt P. „Als ob die hier auf uns gewartet hätte.“ Er streckt die Beine aus. Der Beton-Vorsprung, auf dem die Bank steht, ist sehr schmal ist, und weil P.s Beine ziemlich lang sind, baumeln seine Füße über dem Fluss .

Ich schüttele den Kopf. „Das hier ist eine quasi-nicht-öffentliche Fluss-Unterführung, die nur über einen Trampelpfad erreichbar ist. Demnach dürfte es sich um eine illegale Bank handeln, die eigentlich woanders stehen sollte.“

„Ideal für Kleingarten-Jugendliche, die heimlich Bier trinken wollen“, sagt P.

„Oder für Kleingarten-Papis, die sich von Kleingarten-Mamis erholen und eine rauchen wollen“, sage ich.

Auf der anderen Seite des Tunnels fließt die Düssel weiter Richtung Gerresheim. Anders gesagt: 15 Meter weiter flussabwärts beginnt Düsseldorf. Wir jedoch befinden uns gerade auf Erkrather Stadtgebiet. Und wer die letzte Etappe verfolgt hat, ahnt vielleicht Konkreteres. Ja, wir sind jetzt doch noch im „Kleinwalsertal“ von Düsseldorf gelandet – einer von Bahnschienen eingezwängten Kleingartensiedlung, die offiziell bereits zum Kreis Mettmann gehört, jedoch nur über die Straße Im Brühl von Düsseldorf aus erreichbar ist. So wie das Kleinwalsertal, das zu Österreich gehört, aber mit dem Auto nur von Deutschland aus erreichbar ist. Im Fachjargon: eine funktionale Enklave.

Was wir dank Google Maps vorher wussten:  Die Düssel grenzt an das Kleingartengelände. Was wir nicht wussten und jetzt wissen: Man kann die Düssel von hier aus sehen und erreichen, könnte sogar in sie hineinspringen. Kein Zaun, der den Weg versperrt. Mehr oder weniger öffentliches Gelände, denn grundsätzlich stehen die Wege der Kleingartensiedlung „fremden“ Spaziergängern offen. Sofern sie korrekt parken (siehe Titelbild des Beitrags).

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Von der Unterführung aus kraxeln wir den schmalen, durch Büsche und Äste versperrten Pfad wieder hoch und spazieren den offiziellen Weg flussaufwärts am Flüsschen entlang. Eine Mini-Park im Kleingartenareal.

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Diverse Bänke stehen hier, und der Blick reicht weit hinein in die Gödindhovener Düsselauen. Rechts: Die Düssel. Links: die Kleingärten. Über einem weht neben der deutschen die portugiesische Flagge. Menschen sind keine zu sehen an diesem Nachmittag. Dafür treffen wir an einer Biegung, die mit dem Schild „DÜSSELWEG“ markiert ist, auf:

a) Ein Ensemble von Bienenkästen

b) Eine Bisamratte, die vom Wasser aus die Böschung hinaufklettert.

„Ist das wirklich eine Bisamratte?“, fragt P.

„Ein Biber ist das jedenfalls nicht“, sage ich, der die Szene filmt (der Biber die Bisamratte ist genau in der Bild-Mitte zu sehen).

„Stimmt, sonst hätte er hier sicherlich irgendwo einen Damm gebaut. Du weißt ja, ich habe ein einfaches Weltild: Biber bauen immer Dämme. Schotten sind schließlich auch immer geizig und tragen immer Röcke.“

„Und Werber wie Du sind immer eitle Arschlöcher und tragen gerne Sonnenbrillen, auch wenn gar nicht die Sonne scheint?“

„Haha“, macht P., rückt seine Ray Ban-Pilotenbrille zurecht und setzt sein typisches P.-Grinsen auf. „Und Medienfuzzis wie Du sind meistens verwöhnte Bildungsbürgerkinder, die lieber mal richtig arbeiten sollten anstatt ihre Zeit mit irgendwelchen irrelevanten Blogs zu vergeuden?“

„Lass uns beeilen“, sage ich mit einem Blick auf die Uhr. „Ich muss gleich noch arbeiten. Und dabei Äpfel und Birnen essen.“

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„Manchmal wäre ich gerne eine Biene“, sagt P. und deutet auf die vier Bienenkästen, vor denen die Bienen ein- und ausschwärmen. „Bei denen ist die Welt noch in Ordnung, da weiß jeder, was er zu tun hat.“

„Vielleicht wirst du ja in deinem nächsten Leben als Bienen-Drohne wiedergeboren“, sage ich. „Da kannst du dich als erster Bienenkönig bewerben und gendermäßig eine kleine Revolution anstoßen. Willi, der I. zu Erkrath-Gerresheim .“

Raus aus dem Kleingartengelände, wieder Im Brühl:

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Schlimm, wenn Flaneure zwischendurch Auto fahren müssen, aber die Zeit drängt, und vom Kleingartengelände aus ist es nicht möglich, die Düssel weiter aufwärts entlang zu spazieren. Sie ist quasi nicht flanierbar. Und was sollen Flaneure wie P. und ich machen, wenn sie Frauen, Kinder und Haustiere zu Hause haben, für die sie direkt nach dem Flanieren noch einkaufen müssen?

Auf zu dem Ort, den man von den Kleingärten aus bereits sehen kann: die Dammer Mühle.

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Der Weg dorthin führt von Erkrath (Kleingartengelände) nach Düsseldorf (Im Brühl), vorbei an Fischers Lagerhaus und über die Morper Straße wieder nach Erkrath. Kleiner Grenzverkehr, sozusagen. Zwei Minuten später parken wir vor Jaques Wein Depot an der Dammer Mühle.

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Keine Zeit für Weinproben. Um die Ecke herum, dort müsste laut Google Maps der Blick auf die Düssel fallen. Tatsächlich: Ein Bauernhof, Vieh im Stall. Und dann der Blick auf das imposante Mühlengebäude. Die Konstruktion neben dem kleinen Wasserfall sieht aus wie eine Fischtreppe. Kurz gegoogelt, ja stimmt!

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Weiter um die Mühle herum, auf die andere Seite des Gebäudes. Hier ist das Wasser angestaut. So, dass man sogar  auf einem Kahn darauf fahren könnte. Schöne Landschaft, schöner Blick. Ich filme, mache Fotos, P. tippt mir auf die Schulter. „Du, ich muss gleich meine Tochter vom Sport abholen …“

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Ausgehebelte Entschleunigung. Und so finden wir ein Ende, müssen es finden, auch wenn es schön wäre, an diesem Ort noch etwas länger zu verweilen und ihn auf sich wirken zu lassen.

Also wir ins Auto steigen, sagt P.: „Waren da nicht noch Facebook-Leserreaktionen auf die letzte Etappe, die du erwähnen wolltest?“

Ich nicke. „Das Zelt, das wir auf der Wiese am Gödinghover Weg gesehen haben, war natürlich kein Zirkuszelt. Eine Leserin hat mitgeteilt, dass es zu einem Jubiläum der Pfadfinderschaft Sankt Georg aufgestellt worden ist. Außerdem hatten wir  in der betreffenden Blog-Folge den Tus Gerresheim und die berühmten Allofs-Brüder erwähnt, und eine weitere Leserin hat dazu geschrieben, ihr Vater habe sogar noch gemeinsam mit dem Vater von Klaus und Thomas beim Tus Gerresheim Fußball gespielt.“

Zum Schluss der heutigen Etappe noch schnell eine Notiz im Hinterkopf: Das Adjektiv “flanierbar” zum “Patent” anzumelden! 😉

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