Bhaggy Disco: Eröffnung 1984. Foto: Thomas Bujack

1968 bis 2006: Nachtleben- und Szene-Chronik für Düsseldorf

in Düsseldorf/Popkultur

Creamcheese, Mata-Hari-Passage, Ratinger Straße, Sheila/Match Moore, Rockin´Eagles/Relaxx, Mal Sondock, Bhaggy Disco, Malesh/Checker´s, Regine´s, Grünstraße, Funkhaus Evertz, Monkey´s Island und mehr. In diesem Beitrag stelle ich meine Kolumnen und Interviews mit Nightlife- und Popkulturhintergrund in einen zeitlichen Kontext: Wie tickte Düsseldorf von den 1970ern bis zu den 2000er Jahren?

Durch einige Texte auf diesem Blog sowie einen Artikel bei Spiegel Online, hauptsächlich aber durch die assoziierten Kolumnen bei der Westdeutschen Zeitung und bei VierNull ist im Laufe der vergangenen Jahre – ohne dass es geplant war – eine (im weitesten Sinne) popkulturelle „Chronik“ Düsseldorfs entstanden. Es folgt ein Überblick, zeitlich geordnet und verlinkt. Eine subjektive Auswahl (!), oft aus persönlicher Perspektive, mal in kollektiven Erinnerungen schwelgend, ohne jeden Anspruch auf Vollständigkeit. In jedem Fall waren einige virale Hits dabei, die bei Düsseldorferinnen und Düsseldorfern schöne und bisweilen leicht melancholische Erinnerungen angestoßen haben. Geht also gerne auf eine kleine Zeitreise – und vielleicht finden sich auch Nicht-Düsseldorfer hier und da wieder, haben ähnliche Lokale und Erinnerungsorte in ihrer Heimat erlebt, spüren ein ähnliches 80er- oder 90er-Jahre-Gefühl. Kein „Früher war alles besser“, eher ein „Gut, dass ich dabei war!“

Hinweis: Die im Beitrag verlinkten Artikel aus diesem Blog und aus der WZ sowie der Spiegel-Online-Artikel sind ohne Bezahlschranke zu lesen, die Texte bei Viernull.de nur im jederzeit kündbaren Abo (8 Euro/Monat) oder als Einzelkauf (2 Euro pro Artikel).

Ratinger Straße: Die Geschichte von Düsseldorfs Szene-Meile

Eine wegweisende Rolle spielte das Creamcheese an der Neubrückstraße 12, um die Ecke der Ratinger Straße. Heute ist in dem Lokal eine Kunstgalerie untergebracht. Von 1968 bis 1976 residierte hier ein deutschland- und europaweit bekannter Club, der besonders durch seine Kunst- und Lichtinstallationen auffiel und jede Menge Kreative aus der unweit gelegenen Kunstakademie anzog. Das Creamcheese leistete gewissermaßen die „Vorarbeit“ für die „Szene-Werdung“ der Ratinger Straße. Das Lokal habe ich selbst natürlich nicht miterlebt, schließlich ging ich in den Siebziger Jahren noch in die Grundschule (immerhin war ich mit meinen Eltern in der Pizzeria Pinocchio essen). Dafür hat mir Volker Zimmermann, ehemals Wirt des Goldenen Einhorns (Ratinger Str. 18), im Interview für VierNull von seinen Erfahrungen an und um die Ratinger Straße erzählt – von der Uel-Einhorn-Ohme-Jupp-Szene bis hin zum legendären DJ-Sonntag im Ratinger Hof der frühen 1990er (den hatte ich dann wiederum auch selbst schon erlebt, der Club öffnete um 23 Uhr und war um 1 Uhr voll, an einem Sonntag, wohlgemerkt).

Wie die Ratinger Straße zur Szene-Meile wurde: Volker Zimmermann kennt die Ratinger Straße wie kaum ein anderer Düsseldorfer. Im Interview erzählt der ehemalige Wirt des Goldenen Einhorns vom Wandel der einst „sündigen Meile“ hin zum Treff der Musiker, (Lebens)Künstler und Studenten (hier nachlesen).

Foto: VierNull/Andreas Endermann

Der Club Creamcheese spielt auch in einer meiner WZ-Kolumnen eine Nebenrolle. Als ich nämlich nach Orten in aller Welt suchte, die nach Düsseldorf benannt sind, stieß ich auf eine „Galerie Düsseldorf“ in Perth, Australien. Es stellt sich heraus, dass sich die Macher, ein Brite und eine Deutsche, einst im Kunstakademie-Umfeld des Creamcheese kennen gelernt hatten (hier nachlesen).

Die legendäre Mata-Hari-Passage

1972 wurde die Mata-Hari-Passage in der Düsseldorfer Altstadt eröffnet, im Jahr 2002 musste sie schließen. Auch ich bin mit dieser Passage groß geworden, habe erlebt wie der silbervollbärtige und Lederschlapphut tragende Passagen-Besitzer mit einem Afghanen an der Leine durch die Altstadt schlenderte. Was ich aber als Jugendlicher und Student nicht mitbekommen habe: Bis zu den frühen 1980ern gab es neben dem ins Einkaufsgeschehen integrierten Café Bistro in der Passage den extrem angesagten Club Cabaret, und manchmal sollen auch Mitglieder der Gruppe Kraftwerk unter den Gästen gewesen sein.

Das Café Bistro in der Mata-Hari-Passage

Ich habe mich der „Mata Hari“ bei VierNull gleich zwei Mal gewidmet. Einmal in einem Interview, das zeitweise ohne Bezahlschranke lesbar war und viral ging:

„Die Mata-Hari-Passage war ein Kleinod“. Christian Schröer hat 20 Jahre in Düsseldorfs meistvermisster Ladenpassage gearbeitet. Im Interview erzählt er Insider-Geschichten von schrägen Szene-Vögeln, der „Superkundin“ Whitney Houston, einem straßenbahnfahrenden Mops und von Handschellen, bei denen die Schlüssel fehlten (hier nachlesen).

Außerdem in einer Kolumne:

Mata-Hari-Passage-Geschichten zwischen Popkultur und Heinrich Heine. Welche Spuren der 2002 geschlossenen Mata-Hari-Passage lassen sich heute noch ausmachen? Unser Autor hat sich auf die Suche begeben – und ist dabei unter anderem auf 80 Backsteine aus dem 18. Jahrhundert und eine Büste gestoßen (hier nachlesen).

Bonus: Basierend auf den Erinnerungen Christian Schröers habe ich im Blog einen „historischen“ Lageplan der Mata-Hari-Passage gepostet (für mehr Infos bzw. die Shopliste zur Nummerierung hier klicken).

Café Schröder, Malesh, Rockin´Eagles/Relaxx, Regine´s, Sheila/Match Moore

Mit Christian Schröer habe ich für VierNull eine Art Fortsetzung des vielgelesenen Interviews über die Mata-Hari-Passage unternommen: In den 1980ern war neben der Altstadt nämlich vor allem das Nordende der Königsallee ein Zentrum des Düsseldorfer Nachtlebens. Unser Interview-Spaziergang folgt den Spuren der damaligen Szene und erinnert an den Checker´s-Vorgänger Malesh (1979 bis 1982), an das Café Schröder, an das Rockin´Eagles bzw. Relaxx an der Herzogstraße/Ecke Jahnstraße, an das Regine´s im Keller des Hotels Breidenbacher Hof (1979 bis 1986), an das Pierre´s an der Breite Straße sowie an das Sheila (1973 bis 1979) bzw. den Nachfolger Match Moore an der Neustr 6 in der Altstadt (hier nachlesen).

Als Formentera Düsseldorf-Süd war und Ibiza das St. Tropéz von NRW

Wer das Mata-Hari-Interview mit Christian Schröer liest, stößt dort auch auf Düsseldorfer Verbindungen zu Ibiza. So lebte Schröer Anfang der 1980er selbst ein Jahr lang auf der Insel, war Gogo-Tänzer im Pacha. Außerdem legte Pacha-Resident DJ Pippi einst im Cabaret Club der Mata-Hari-Paasage sowie in der eben erwähnten Disco Malesh im Kö-Center auf, und Düsseldorfs Szene-Legende der 1970er Mora (unter anderem Betreiberin von Mora´s Lovers Club an der Schneider-Wibbel-Gasse sowie Thekenfrau im Creamcheese) wanderte nach Ibiza aus, war aber bei Düsseldorf-Besuchen immer wieder in der Passage zu Gast. In diesem Sinne könnte man die Mata-Hari-Passage durchaus als verlängerten Arm Düsseldorfs zur Partyszene Ibizas bezeichnen. Womit wir dann gleich zur kleineren Nachbarinsel Formentera kommen: Diese war zwar keine Partyinsel, galt aber besonders in den 1970ern und 1980ern als eine Art Düsseldorf-Süd, wo man an jeder Strandbar Bekannte aus der Landeshauptstadt traf, bevor dann ab den 1990ern zumindest in den Sommermonaten die Norditaliener den touristischen Ton auf der Insel angaben. Ausgehend von den Formentera-Urlauben meiner Kindheit habe ich bei VierNull eine Kolumne über „den südlichsten Teil der Stadt“ geschrieben:

Eine Fotomontage verbindet Altstadt und Formentera, dazu der Slogan „Grüße aus Düsseldorf-Süd“: Gab es dieses Postkartenmotiv wirklich? Die Spurensuche unseres Autors führt über Hamburg nach Stralsund und Barcelona – zum Fotografen Ekkeheart Gurlitt (hier nachlesen).

Und weil der Fotograf Ekkeheart Gurlitt mir am Telefon so viel Spannendes über seine Zeit auf Formentera und Ibiza erzählte und noch dazu in den 1970ern diverse Winter in Düsseldorf verbrachte, wo er dann wiederum auch in der Mata-Hari-Passage oder den Lokalen der Ratinger Straße zu Gast war, habe ich hier im Blog als Nachschlag noch ein ausführliches Interview mit ihm veröffentlicht:

Die Düsseldorf-Formentera-Connection: Wer in den 1980ern und 1990ern auf den Balearen Urlaub machte, hat mit hoher Wahrscheinlichkeit eine der Insel-Postkarten von Ekkeheart Gurlitt verschickt. Im Interview erzählt der Fotograf von der wilden Hippie-Zeit auf Formentera, der Verbindung zu Düsseldorf, dem Sonnenschirm von Chris Rea und wie er per Zufall als erster nackter Mann auf dem Cover des STERN landete (hier nachlesen). 

STERN-Cover vom 20. August 1980: Ekkeheart Gurlitt, der erste nackte Mann auf dem Titel

Düsseldorfs Popkultur-Gymnasium

Die Zwischenüberschrift ist sicher ein wenig übertrieben, doch als sich in meine „Der Park eines Lebens“-Kolumne unverhofft das Geschwister-Scholl-Gymnasium hineinmogelte, wurde mir erst bewusst, dass ich an einer Schule Abitur gemacht habe, die durchaus in einer popkulturellen Tradition steht. Schließlich entstand im Umfeld der Schule das erste deutschsprachige Punk-Album überhaupt, und die dafür verantwortliche „Schüler-Band“ Male spielte 1980 sogar im Vorprogram von The Clash in der Philipshalle (zur Halle mehr weiter unten). Außerdem … Ach, lest einfach den verlinkten Text, wenn Ihr weitere Namen und Details erfahren möchtet:

Eine etwas andere Tour durch Volksgarten und Südpark – mit ungeahnten Assoziationsketten: Geschwister Scholl und Düsseldorfer Popkultur, Heino und Hugo Egon Balder, Rehgruppe und Antilopen Gang (hier nachlesen).

Die „ewige“ Philipshalle, ein kollektiver Erinnerungsort

Offiziell heißt sie längst anders, doch die meisten Düsseldorfer behalten den alten Namen bei. Und? Wann war euer erstes Philipshallen-Erlebnis?

Philipshallen-Geschichten zwischen Shakin´Stevens, Kim Wilde und The xx. Seit 1971 wird in Oberbilk (nicht nur) Popgeschichte geschrieben: Ein Spaziergang rund um den Mehrzweck-Dino, der Generationen von Düsseldorfern das erste Konzert-Erlebnis beschert hat (hier nachlesen).

Als Bonus zur Kolumne veröffentlichte ich in der WZ eine ausführliche, aber natürlich nicht vollständige Chronik der Halle.

Foto: Wikimedia/Plumpaquatsch

Klaus Dinger, unter Musikern weltberühmter Düsseldorfer

Die Mata-Hari-Passage und die Ratinger Straße waren lokale Welten für sich. Dennoch gab es in den 1970ern und 1980ern hier und da Überschneidungen: Gäste, die in beiden Szenen verkehrten. Neben Mitgliedern der Band Kraftwerk gehörte auch Klaus Dinger dazu, Gründer der weltweit prägenden Düsseldorfer Krautrock-Bands NEU! und La Düsseldorf und meist gemeinsam mit seinem Bruder Thomas unterwegs.

Eine Klaus-Dinger-Straße – das wäre NEU! für Düsseldorf. Warum Düsseldorf eine Straße nach dem Gründer der Krautrockband „Neu!“ benennen sollte — das erklärt der Autor vom Düssel-Flaneur in seiner Kolumne für unsere Redaktion. Und was David Bowie damit zu tun hat (hier nachlesen).

Mal Sondock: Kölner Radiomoderator mit Düsseldorfer Steakhaus

Eine der meistgelesenen WZ-Kolumnen widmete sich Deutschlands bestem Radiomoderator:

Eine Mal-Sondock-Jugend ohne Steakhaus. Vor zehn Jahren starb die WDR-Radio-Legende Mal Sondock. Bis Mitte der 80er-Jahre prägte er weit über NRW hinaus die Popkultur in Deutschland – und eröffnete nebenbei in Düsseldorf ein texanisches Steakhaus. Unser Autor erinnert sich (hier nachlesen).

Der 80er-Jahre-Donnerstag im ZAKK

Meine ersten eigenen Schritte im Nachtleben habe ich Mitte/Ende der 1980er beim Donnerstags-Club im ZAKK sowie in der Wolke an der Liefergasse gemacht. Besonders der erwähnte ZAKK-Abend war damals eine Art inoffizielles Oberstufentreffen der Düsseldorfer Gymnasien.

Am Donnerstag zum „Schwoof im Zakk“, am Wochenende an die Liefergasse zwischen Wolke und Kneipe: Unser Autor erinnert an Ausgeh-Orte der späten 80er und frühen 90er (hier nachlesen).

Das ZAKK um 1993. Foto: Stadtarchiv Düsseldorf

Einmal, im Sommer 1990, habe ich meinen US-Austauschschüler Danny mit zum ZAKK-Donnerstag genommen. Er besuchte mich für ein paar Wochen in Deutschland, nachdem ich im Jahr zuvor einige Wochen im Haus seiner Familie an der US-Ostküste gelebt hatte und dort auch gemeinsam mit ihm zur High School gegangen war. Leider verloren wir im Laufe der 1990er den Kontakt. Vor einigen Jahren beschloss ich, im Internet nach meinem Ex-Gastbruder zu suchen. Die Geschichte dieser Suche habe ich für Spiegel Online aufgeschrieben:

Eine deutsch-amerikanische Freundschaft: Danny, ich und „Anneliese Schmidt“. Sie waren wie Brüder und liebten Deutschpunk, am meisten Die Ärzte. Dann verloren die Austauschschüler einander aus den Augen. Nach 27 Jahren suchte Sebastian Brück Danny. Und stieß auf eine bittere Wahrheit (hier nachlesen).

Hommage an die Bhaggy Disco

Auch die 1984 eröffnete und 2000 geschlossene Bhaggy Disco in der Nähe des Hauptbahnhofs habe ich im erwähnten Sommer 1990 einmal mit meinem US-Kumpel Danny besucht. Die WZ-Kolumne über die Bhaggy avancierte zum größten viralen Hit aller Kolumnen (bis heute hat der Beitrag mehr als 13.000 Gefällt-mir-Klicks, Kommentare und geteilte Beiträge auf facebook erreicht). Offenbar aktiviert der Text bei Düsseldorfern die kollektive Erinnerung an eine Disco-Legende – eine Disco-Legende, die polarisierte, denn nicht umsonst kommen auch die die Indie-Clubs Line Light und Unique im Text vor (quasi als Gegenstück). Es gab aber auch positives Feedback aus anderen Städten und sogar aus der Schweiz, insofern kann man den Text auch als allgemeine „Die Disco meiner Jugend“-Erinnerung lesen.

In den 1980er und 1990er Jahren prägte die Bhaggy-Disco an der Graf-Adolf-Straße Düsseldorfs Nachtleben. Unser Autor erinnert an Partynächte zwischen „Purple Rain“, „The Power“ und „Show me Love“ (hier nachlesen).

Im Anschluss an die Kolumne machte ich für die WZ noch ein Interview mit Tapesh, damals schon als Teenager Resident-DJ der Bhaggy (hier nachlesen). Und drei Jahre nach Erscheinen der Bhaggy-Kolumne habe ich diese sogar im alten Bhaggy-Gebäude vorgelesen (heute Intercity-Hotel), im Rahmen einer Veranstaltung des Literaturbüro NRW.

Düsseldorfer Dorfdiscos außerhalb von Düsseldorf

Der eine oder die andere aus der Landeshauptstadt machte sich (nicht nur) in den 1990ern auf den Weg ins Umland:

Partytourismus in den 1990ern: Meist waren die benachbarten Großstädte das Ziel – manchmal aber auch das Remix in Ratingen oder das E-Dry in Geldern. Erinnerungen an eine Polaroid-Jugend (hier nachlesen).

Letzter Tag im Remix Ratingen 2001. Foto: Stadtarchiv Ratingen/WZ

Als die Graf-Adolf-Straße Düsseldorfs Kino-Meile war

Schräg gegenüber der Bhaggy-Disco befand sich das Europa-Kino. In der ersten Hälfte der 1990er war dort die dienstägliche Sneak-Preview das cineastische Szene-Event der Woche. Für VierNull habe ich auf diese Kino-Dienstage ebenso wie allgemein auf die Kino-Vergangenheit der Straße zurückgeschaut – und dabei eine Überraschung erlebt:

Unser Autor reist in seine Savoy-Residenz-Universum-Kindheit, erinnert an legendäre Sneak-Previews im Europa-Kino – und stößt auf die cineastische Vergangenheit der Bhaggy-Disco (hier nachlesen).

Die Hifi-Giganten der 80er und 90er: Funkhaus Evertz und Schlembach

Musik- und Popkulturinteressierte erinnern sich bis heute an die legendären und in großformatigen Zeitungsanzeigen ausgetragenen Preiskämpfe zwischen dem Funkhaus Evertz und Schlembach, den beiden größten Hifi-Geschäften der Stadt vor der Saturn-Mediamarkt-Ära. Ich unternahm eine „Shopping-Tour“ entlang verschwundener Geschäfte und besuchte dabei neben Funkhaus Evertz und Schlembach auch Schauland und MusicShop (hier nachlesen).

Im Nachklapp erschien in der WZ mein zur Kolumne passendes Interview.

„Funkhaus Evertz war sogar in Japan bekannt“. Bis 1988 führte Helmut Evertz Düsseldorfs größtes Hifi- und Plattengeschäft. Im Interview erzählt er über die jahrelange Rivalität mit Schlembach, über eine aus dem Ruder gelaufene Autogrammstunde mit Teenie-Star Limahl und über die kauffreudige brasilianische Fußball-Nationalmannschaft (hier nachlesen).

Das 90er-Jahre-Nachtleben an der Grünstraße

Die Grünstraße, eine Querstraße der Königsallee und weitgehend vergessener Hotspot des Düsseldorfers Nachtlebens. Wenn mich heute einer fragen würde, was für ein Bild ich spontan vor Augen habe, wenn ich an das längst nicht mehr existierende Grünstraßen-Nachtleben denke, so wäre es das hell leuchtende Café Green an einem lauen Sommerabend, als die Schiebefenster geöffnet wurden und die Gäste im Rahmen standen oder saßen und zuweilen laut lachten und die Grünstraße so mediterran leuchtete wie Rimini oder Barcelona, zumindest ein bisschen …

Café Green, Citrus, Fact, Ars Vivendi und La Rocca: Diese Lokale und Clubs machten die von der Königsallee abgehende Grünstraße in den 1990ern zur Ausgehzone – und das alte Wellenbad war „schuld“ (hier nachlesen).

Die Grünstraße vor dem Café Green, circa 1993. Foto: Daggi Bahners

Düsseldorfs berühmteste Disco: das Checker´s

Wo schon einmal von der Grünstraße die Rede ist, darf der (vormalige) Platzhirsch des Kö-Nachtlebens nicht fehlen: das Checker´s (das Sam´s West lasse ich mal außen vor, das war nie ein Laden, der in meinem Umfeld eine große Rolle gespielt hat).  Für VierNull habe ich eine persönliche Geschichte vom ersten (1989) bis zum letzten (1999) Checker´s-Besuch aufgeschrieben – und dabei auch die Vor- und Nachgeschichte der vermutlich berühmtesten Disco der Stadt miterzählt (Malesh!).

Vorspann: „Über das Checker’s schreiben, ohne Claudia Schiffer zu erwähnen? Schwierig. Unser Autor packt der Ausgewogenheit halber DJ Pippi, Heidi Klum, den FC Bayern, Kraftwerk und DAF mit in den Text.“ (hier nachlesen).

2022: Der ehemalige Checker´s-Eingang (über dem Kö-Center-Schild) und die „Vorstufen“.

Als in Düsseldorf Deutschlands erster urbaner Beachclub eröffnete

Wer erinnert sich noch an die besten Zeiten des Medienhafens? Ich feierte eben diese in einer WZ-Kolumne.

Monkey´s Island: der erste (und schönst) Stadtstrand Deutschlands. Von 2003 bis 2006 war Monkey´s Island „das“ Aushängeschild Düsseldorfs – und der Medienhafen mit mk-2, Harpune, 3001 und The Room ein Szene-Treff für NRW (hier nachlesen).

Nachdem die Kolumne viral ging und klar wurde, wie sehr die Düsseldorfer ihren Beachclub im Hafen vermissen, war kurz darauf sogar ein Comeback von Monkey´s Island im Gespräch.

Düsseldorfs erste Netflix-Serie

Man könnte jetzt allenfalls noch die Kolumne über die britische Netflix-Serie Paranoid erwähnen, die zu große Teilen in Düsseldorf spielt (hier nachlesen), eventuell auch noch meinen Ausflug nach Venlo, wo der berühmteste Oberbilker aller Zeiten, Heino, einen Auftritt hatte und ich herausfinden wollte, warum die Niederländer sich „De zingende zonebril“ live anschauen (hier nachlesen).

Über das Nacht- und Szeneleben Düsseldorfs nach dem Ende von Monkey´s Island im Jahre 2006 müssen jedoch andere schreiben. In jedem Fall hat das Aufkommen der Smartphones samt exzellenter Kameras die Erinnerungskultur im Nachtleben verändert. Während früher außer den Profi-Fotografen der Stadtmagazine kaum jemand einen Club oder ein Lokal mit Kamera betrat (es war oft schwer, für die Kolumnen Fotos der erwähnten Locations zu bekommen), wird heute alles von jedem permanent dokumentiert und öffentlich gepostet …

P.S. Ein paar „Kapitel“ aus der Vergangenheit sind noch offen: Clubs oder Lokale, an die ich mich erinnere und über die ich 2022 schreiben möchte. Insofern wird diese kleine „Chronik“ beizeiten an passender Stelle ergänzt … 😉

 

24 Comments

  1. Oh ja, meine Jugend in den 80ern… In der Baggy wurde um Mitternacht im Nelly the Elephant von den Toy Dolls gespielt und der Laden zusammengepogt, bis wir alle Hausverbot hatten.

    Es fehlen aber die ganzen Szenekneipen und Läden der Subkulturen:
    Das alte Hitsville Records in der Andreasstraße, Engelchen und Schaukelstuhl, der Dschungel (donnerstags in den 1990ern Düstermucke), Purple Haze, Papidou, und vor allem das Lime Light auf der Flinger Straße.

  2. Nicht zu vergessen die legendere Discothek Spitze am Burgplatz neben der Spielothek .Die Hölzerne Rutsche in den Keller . Freitag /Samstag .Was haben wir dort Party gemacht.

  3. 1970 -1980 nicht zu toppen Dä Spiegel, weißer Bär, Pille, Pinte, Knoten und so viele andere Kneipen.
    Es war die längste Theke der Welt
    Pferdestall, New Orleans, Le Zeppelin etc.
    schön war die Zeit, unvergessen Nächte und Wochenende,

      • kennt den jemand auch das No7auf der liefergasse Vorgänger vom Purple Haze dort gab es legendäre Live-Konzerte zb. die Hosen zusammen mit den lurkers mitten in der Nacht als after Concertparty geplant und dann zum after Concert Konzert geworden

  4. ROCKIN EAGLE bzw. später umbenannt in RELAXX : meine absoluten Favourits. UND nach 1:00h dann ins MALESH bzw. das spätere CHECKERS.
    In den 70gern – legendär – in der Altstadt das SHEILA (oder Sheela?) und MORA’S LOST ANGELS CLUB.

    Gerne erinnere ich mich an die Club-Nächte in den Katakoben des MALKASTEN mit den DJS des Checkers. Aber die „lieben“ Nachbarn verhinderten ein Überleben der Clubscene.

    Ich suche noch den Namen einer Discothek Mitte der 80ger für kurze Zeit in einer alten Kneipe in D-dorf-Flehe . Nachdem die Anwohner Stress gemacht hatten zog die Discothek in eine Lagerhalle in den damals noch „alten“ Hafen um.
    Hier – im alten Hafen – befand sich auch ein In-Cafe, welches dann weichen musste und ins K20 umgezogen ist. Da war dann für mich die Luft raus.

    • Danke fürs Teilen dieser Erinnerungen. Der Club im Malkasten war wirklich großartig. Die Disco in Flehe (das war kurz vor meiner Ausgehzeit), die später in den Hafen zog (habe ich noch erlebt), hieß Tanzpalast, oder?

  5. Hallo lieber Herr Brückner, mit großem Interesse verfolge ich die Geschichten der Kneipern und Discotheken aus den 1960-70er Jahren. In vielen war ich selbst unterwegs. Auch an Mora’s Lovers Club im Kö-Center erinnere ich mich noch gut. Der Club befand sich in der ersten Etage, und im Parterre war eine riesengroße Discothek, die hieß ‚Big Ape‘, und dort sind auch viele bekannte Leute aufgetreten. Ich habe unter anderem dort die ‚Doors‘ erlebt, und James Brown ist z. B. auch dagewesen. Eine Zeit lang habe ich dort hinter der Bar gestanden, diese Discothek hat es wirklich gegeben. Leider kann man nichts darüber finden, so sehr ich auch gesucht habe. Viele Grüße, Ingrid Schubert, Düsseldorf.

    • Herzlichen Dank, das ist spannend. Vielleicht kommt bald etwas über die Kö-Szene in meiner Kolumne für VierNull. Ggf komme ich noch einmal auf Sie zu.

  6. Weiß jemand, ob es 1990 (nicht heute) einen Club namens „weißer Elefant“ in Düsseldorf gab? Wenn ja, wo war das etwa. Vielen Dank für die Hilfe!

  7. Das war wohl der

    – Fleher Hof (Fleher Straße 254)

    Ein paar Schritte weiter gibt es den

    – Dietze Döres (Fleher Straße 317).

    Und ums Eck in der Parallelstraße gab es seinerzeit am Wochenende Tanz:

    – Dietze Mamm (Krahkampwe 95).

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