(#43) Mit Fortuna im Neandertal

in Erkrath/Neandertal/Natur

Wie ein Nebel-Tag im Neandertal mit einemSchildbürgerstreich beginnt / Wie wir innerhalb eines Düssel-Kilometers auf zwei Fortuna Düsseldorf-Aufkleber stoßen / Und wie genau im richtigen Moment der Akku leer ist.

Raus aus dem Auto, den Berg runter, schnellstmöglich ans Düssel-Ufer, dann einen Kilometer am Flüsschen entlang – und wieder zurück ins Büro. Das wäre unser Wunschszenario! Heute Mittag sind wir endlich wieder unterwegs, leider mit engem Zeitplan. Dazu passende Phrase: Besser eine kurze Etappe – als gar keine.

Geparkt haben wir an einem offiziellen Neandertal-Parkplatz (Diepensiepen). Wer mag, wird dort neandertaltypisch mit (fast) allen möglichen Entfernungsangaben versorgt.

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Der Parkplatz liegt „oben“. „Unten“ im Tal kann bzw. darf man nämlich nicht parken. Wobei der zuständige Entscheider in einer abenteuerlichen Mischung aus „gutem Selbstbewusstsein“ und „Bescheidenheit“ verkündet, warum das so ist.

So ist auf einem der Parkplatzschilder zu lesen:

Liebe Wanderer, benutzen Sie bitte den neuen Wanderparkplatz. Der alte Parkplatz in der Düsselaue wurde geschlossen, um der Natur mehr Raum zu geben. Ich wünsche Ihnen einen angenehmen Aufenthalt im Neandertal.

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„Dass sich jemand in der Ich-Form auf einem Schild zu Wort meldet, ist ziemlich ungewöhnlich, oder?“, sage ich zu meinem besten Freund und Co-Flaneur P.  „Wer ist denn überhaupt dieser Ich? Wer spricht hier zum Volk? Der Bürgermeister? Der Ministerpräsident? Der Herzog von Berg? Oder der Landwirt von um die Ecke?”

Mein bester Freund P. ist bereits einige Schritte weiter, sowohl zu Fuß, als auch gedanklich. Er steht direkt vor dem Schild und liefert nun, quasi messerscharf, die Interpretation: „Klare Sache, hier hat irgendein Mitarbeiter oder Praktikant bei der Formulierung Mist gebaut, aber als das aufgefallen ist, war das Schild schon fertig, und deswegen …“ Er zeigt auf die – zumindest für mich – nur aus nächster Nähe zu entziffernde „Unterschrift“ unter der Ich-Botschaft. „…deswegen hat sich der Unterzeichner so klein wie möglich gemacht.“

Tatsächlich sind die am unteren rechten Schildrand angebrachten Buchstaben winzig – und sehen so aus, als seien sie nachträglich aufgebracht worden.

Dort steht zu lesen:

Der Landrat“

Ein „Schildbürgerstreich“ zu Beginn einer Etappe, das hatten wir noch nie …

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Angekommen im Tal – dem Neandertal! – stoßen wir kurz hinter einem Fachwerkhaus auf eben die Stelle, an der wir bei der vorangehenden Etappe umgekehrt sind. Wir biegen links ab, dem Wanderweg folgend. Ist es Wanderweg A5, Wanderweg A1 oder Wanderweg A99? Uns doch egal, wir halten uns an die Düssel. Spazieren vorbei an weiteren Schildern. Eines fordert „Bitte nicht reiten“, und dem kommen wir, die so pferdelosen wie zweibeinigen Flaneure, selbstverständlich nach.

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Das andere Schild hängt neben einem kleinen Bach, der 50 Meter weiter in die Düssel mündet. Gesucht wird die Katze „Pippilotta“,aber wenn Ihr das hier lest, ist sie sicherlich längst wieder gefunden und ihre Geschichte verfilmt worden, ja wahrscheinlich hat sie inzwischen auch ein eigenes Instagram-Profil mit 1227 Followern, auf dem sie täglich Hundefotos postet. Wie das nun mal so ist in dieser schnelllebigen Zeit …

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Nicht dass es uns überraschen oder stören würde: Aber der Wanderweg erinnert sehr an die vorige Etappe. Links von uns: der von hohen Bäumen bestandene Hang des Neandertals. Rechts von uns: eine Wiese, vor der sich schlängenlnden und von niedrigeren Bäumen umsäumten Düssel.

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Erneut kreuzt ein Richtung Düssel strebendes Bächlein den Weg, und dann folgen zwei rot-weiße-Pöller. Vermutlich sind sie dazu da, zu verhindern, dass hier einer mit dem Auto durchfährt.

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Mein bester Freund P. kommentiert die Pöller: „Um hier mit dem Auto durchfahren zu wollen, muss man schon hackedicht oder wahnsinnig sein – oder beides.“

Ich kommentiere den F95-Aufkleber auf einem der Pöller: „Nur noch ein paar Wochen, dann sind wir endlich wieder in der Bundesliga.“

„Da wäre ich mir gar nicht so sicher“, kontert P., dem man ja gar nicht übel nehmen kann, dass er – obwohl er Düsseldorfer ist – Borussia Mönchengladbach anhängt. So was passiert eben – kleiner Exkurs -, wenn man in Neuss geboren wird und dort seine ersten Lebensjahre verbringt. Bei Neussern ist fußballmäßig sowieso alles möglich: Viele sind Fortuna-Fans, manche sind Gladbach-Anhänger –und gar nicht mal so wenige sind sogar Fans des 1. FC Köln, aber die leben dann eher nicht direkt in Neuss, sondern im Kreis – Zons oder Dormagen oder so.

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Nach ein paar Hundert Metern erreichen wir einen Hochsitz, unmittelbar am Wegesrand positioniert.

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„Alter“, sagt P., „was soll das denn bitte? Warum steht das Ding hier? Wollen die vorher eine Lautsprecherdurchsage an alle Spaziergänger machen, dass gleich scharf geschossen wird, wenn sie einen Hasen oder ein Reh sehen?!“

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Ich zucke die Schultern, bin gerade dabei, meinen Kopf so zu drehen, dass ich das auf dem Kopf stehende Schild entziffern kann, das neben dem Hochsitz an einem Baum befestigt ist.

„Betreten verboten wegen Baumsturz und Astbruch“, steht dort, und ich bin mir nicht sicher, ob dieses Schild womöglich jemand extra umgedreht hat – sei es als (erneuten) „Schildbürgerstreich“ (aber diesmal aus Spaß) oder, weil momentan weder Baumstürze, noch Astbrüche drohen und dass Schild ja dann wieder richtig herum gedreht werden könnte, sobald seine Botschaft akut werden sollte.

Tja, das sind die Fragen, mit denen man sich als Düssel-Flaneur so rumschlagen möchte bzw. muss.

Und da mein bester Freund P. und ich Aufkleber tendenziell genauso spannend wie Baudenkmäler finden, sei noch erwähnt, was wir auf einem Pfosten am Wegesrand neben den üblichen Wanderpfadmarkierungen und „Benutzung auf eigene Gefahr“-Warnungen erblicken:

1.) einen weiteren Fortuna Düsseldorf-Aufkleber.
2.) einen Aufkleber von „Anka & Alex on Tour“.

Ob der letztere zu einem Wanderblog gehört? Ich googele kurz, finde aber nichts, dafür kommt meinem besten Freund P.  (wieder mal) die Idee, eines Düssel-Flaneur-Aufklebers in den Sinn – wie üblich von mir abgeblockt: Wahrscheinlich zu teuer und außerdem hat man im schlimmsten Fall hinterher das Ordnungsamt am Hals.

 

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Was wir vom Weg aus kaum erkennen können: Die Düssel teilt sich laut Google Maps weiter unten im Tal in zwei Hälften auf – flussaufwärts gesehen.

Vor einer Bank gabelt sich auch der Weg. Natürlich nehmen wir die Abzweigung, die der Düssel zugeneigt ist. Nachdem sie eine Weile in rund 50 bis 100 Metern Entfernung verlaufen ist, fließt sie nun wieder direkt neben uns, allerdings rund zehn Meter tiefer. Deswegen ist der Weg auch durch einen Zaun gesichert.

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Kurz bevor der Weg auf eine hölzerne Über-die-Düssel-Brücke zuläuft, passieren wir ein Schild, das die „typischen Bewohner eines Fließgewässers“ vorstellt. Das hatten wir schon mal, ebenfalls vor einer Brücke, am Rundweg durch das Eiszeitliche Wildgehege.

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Nach der Brücke läuft der Weg auf die Winkelsmühle zu. Die hat mit winkelsmuehle.de sogar eine eigene Website und ist vermutlich das schönste Gebäude, dem wir bisher am Rande der Düssel begegnet sind. Wobei: Eigentlich handelt es sich nicht um ein “Einzelstück”, sondern um eine komplette Hofanlage. Wer mehr wissen möchte, kann das ja mal in Ruhe nachlesen.

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Der Wanderweg führt mitten durch die private Hofanlage hindurch.

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„An Wochenenden ist das für die Anwohner bestimmt ganz schön nervig, wenn hier ein  Wanderverein nach dem anderen an der Haustür vorbei marschiert“, vermutet P.

„Gut, dass man hier nicht parken darf“, sage ich, als wir das Winkelsmühle-Gelände hinter uns gelassen haben und den (stromaufwärts gesehen) rechten und schmaleren Arm der temporär gespaltenen Düssel überqueren.

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Das Thema „Parken“ spielt für die kommenden Hundert Meter auch für uns eine Rolle. Wir gestalten unsere Etappen im Neandertal nämlich immer so, dass wir – wie heute – beim nächsten Düssel-Termin unser Auto einigermaßen in der Nähe abstellen können. In einem Naturschutzgebiet ist das aus gutem Grund nicht ganz so einfach.

Wir folgen der Düssel noch rund 500 Meter, vorbei an einem aufgestauten See, an dem unser Flüsschen (immer noch) zweigeteilt zur Linken und zur Rechten vorbeifließt.

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Das Ende der heutigen Etappe läuten wir dann an einer Wegbiegung mit “Auenwald”-Erklär-Schild ein: vor einer Felswand, mit Blick auf einen Bauernhof.

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Hier treffen Düssel und Wanderweg auf den asphaltierten Winkelsmühler Weg, der offenbar auch von Autos befahren werden kann. Signal: Irgendwo in der Nähe, oberhalb des Neandertals muss es  Parkmöglichkeiten geben. Das wars für heute, zurück zum Auto, ab ins Büro, die Zeit drängt.

Hmm. Moment mal!

Flaneure im Stress, wie absurd! So geht das doch nicht! Also: Kurz innnehalten auf dem Weg zurück zum Auto, noch mal zwischen den Bäumen näher ans Ufer rantasten, ein paar Fotos machen, einen kurzen Clip drehen. Durchatmen. Lauschen.

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Stille. Nur: Ästeknacken, Vögelzwitschern, Düsselplätschern – und dann ist plötzlich der Smartphone Akku leer. Und das ist auch gut so …

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