(#27) Elleraner Brückenblicke

in Düsseldorf

Was Spiderman in Düsseldorf-Eller so mit Marlene Dietrich treibt / Wie ein Froschkönig als Brückenwärter arbeitet / Und wie wir in die Röhre schauen und ein Wellness-Resort für Stadtratten vermuten.

Treffpunkt vor dem Düssel-Cafe, Ecke Gumbertstraße/Karlsruherstraße in Düsseldorf-Eller. Hier strömt die Düssel aus einem Tunnel heraus. Bestimmende erste Frage dieser Düssel-Flanier-Etappe: Wo beginnt der Tunnel bzw. wo können wir weiter flussaufwärts am Ufer entlang spazieren? Laut Google Maps verläuft unser Flüsschen zwischen Vennhauser Allee und Vohwinkelallee, also auf nicht „öffentlichem“ Gebiet.

Gibt´s etwa noch mehr Privatgärten mit direkten Düssel-Zugang? Ein paar haben wir ja schon auf einer Unterbilk-Etappe gesehen.

Dort haben wir auch zum ersten und bisher einzigen Mal erlebt, dass die Düssel für ein paar Hundert Meter nicht zugänglich war, eingequetscht zwischen zwei Häuserblöcken.

„Vielleicht ist Google Maps hier mal wieder schlampig gewesen“, sagt mein bester Freund P. Er zeigt mir sein iPhone. Wenn er bei der Ansicht auf Satellit umschaltet, ist von der auf der Google-Karte oberirdisch eingezeichneten Düssel nichts zu sehen: Dafür: Büsche und Bäume und Gärten. „Vielleicht finden wir ja doch irgendwo einen Einstieg durch einen Hinterhof oder so“, sage ich.

Wir probieren es über die rechte Seite des trapezförmigen Häuserblocks.

Entlang der Vennhauser Allee. Vorbei an:

a.) Einer beschmierten Wand eines alten Hauses, die zeigt das „Street Art“ nicht immer Kunst sein muss.

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b.) Einer Inschrift über einer Altbau-Haustür, auf der „Grüß Gott“ falsch, nämlich mit zwei „s“ geschrieben ist. (Gedanke im Hinterkopf: „Grüß Gott“ in Eller? Gibt’s hier eine bayerische Community!?)

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c.) Einem riesigen Spiderman, der an Marlene Dietrich hochklettert und zeigt, wie kunstvoll Street Art sein kann.

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So oder so: Keine Lücke zwischen den Häusern, kein Zugang zur Düssel. 500 Meter verläuft unser Flüsschen inkognito, zumindest für uns

„Da ist sie“, sagt P., sichtlich erfreut, als wir kurz nach der Spiderman-Begegnung links in die Krippstraße abbiegen. Und schon stehen wir auf einer Brücke, lehnen uns übers Geländer.

Wir schauen flussaufwärts und sehen: Die Düssel, rechterhand begrenzt von einer Mini-Parkanlage und einem von Düssel-Wasser gespeisten Mini-Teich, in dem sich die darum herum stehenden Bäume spiegeln.

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Wir wechseln die Straßenseite und sehen flussabwärts: Gärten, Bäume, Sträucher – aber keine Düssel. P. vergisst hiervon ein Foto zu machen, aber warum soll man auch Fotos von etwas machen, das man gerne sehen möchte, aber nicht sehen kann?

„Vielleicht taucht sie ja später zwischen den Gärten auf“, sage ich.

„Vielleicht aber auch nicht“, sagt P. „Und vielleicht haben wir sogar Leser, die hier wohnen und uns aufklären können: Wer hat Recht? Das Google-Satellitenbild? Die Google-Karte? Oder beide?“

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Wir folgen dem Spazierweg flussaufwärts, werfen einen Blick zurück auf die Brücke, die eigentlich keine Brücke ist, und gelangen kurz darauf zu einer Brücke, die wirklich eine Brücke ist – verschönert durch einen streetartigen Froschkönig (kleines Suchspiel auf dem Foto, am rechten Bildrand werdet Ihr fündig).

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Wieder das gleiche Spiel: Über das Geländer lehnen, flussaufwärts gucken, flussabwärts gucken, hier geht es ja immerhin. P. macht ein kleines Filmchen mit seinem iPhone. Auf dem ist dann hoffentlich auch die Wiese auf der linken Flussseite zu sehen. Wieder so ein ländlicher Eller-Flecken, mittendrin.

„Noch gut hundert Meter, dann müsste für heute Schluss sein“, sagt mein bester Freund P., der bereits auf Google Maps den weiteren Verlauf gecheckt hat. Weiter, vorbei an einen Minigolfplatz. Google Maps verrät sogar den Namen: City Minigolf.

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„Also, ich hatte eine Minigolf-Kindheit“, sagt P. „Und du?“

„Ich hatte eine Frisbee-Kindheit mit Minigolf-Episoden“, sage ich.

„Dann hattest du es aber viel leichter als ich“, sagt P. „Frisbeescheiben kann man immer mitnehmen, Minigolfplätze nicht … Na ja, je älter ich wurde, desto mehr war es eine Skateboard-Kindheit mit Minigolf-Episoden.“

„Ach ja, stimmt, Longboard-Senior mit Kim Wilde-Vergangenheit“, sage ich – in Erinnerung an eine frühere Düssel-Flaneur-Etappe. „Komm lassen wir das jämmerliche Geschwafel …“ Ich zeige auf die Düssel und schaue auf die Uhr. „Der Familienalltag wartet. Ich muss gleich nach Hause, meine Frau ablösen. Die darf nämlich heute Abend Sport machen …“

P. wechselt in seine ironisch-zynische Arschloch-Tonlage: „Wie jetzt? Ist dir das nicht bedeutungsvoll genug? Willst du lieber wieder die ganz großen Themen besprechen, um unserem belanglosen kleinen Blog Relevanz einzuhauchen? Böhmermann? Erdogan? Flüchtlinge? Wer hat noch nicht, wer will noch mal? Da ist so einiges mit Erregungspotenzial im Sonderangebot. Oder doch lieber Bibi Blocksberg?“

Ich zeige ihm den Stinkefinger: „Halt´s Maul, Du Wutbürger!“

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Schon ist die nächste Düssel-Brücke in Sicht. Diesmal wird unser Fluss von einer weiteren S-Bahntrasse überquert. Die Gleise trennen die Staddteile Eller und Vennhausen. Auf der Wiese am Rande der Trasse dürfen Hunde frei laufen. Wir spazieren zum Uferrand, machen Fotos, versuchen unter der Brücke hindurchzuschauen.

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Ich nehme P.´s Frage auf: „Scheiß auf Relevanz! Diesmal schauen wir ohnehin in die Röhre.“ Dabei zeige ich auf ein ziemlich breites Rohr zu unseren Füßen, aus dem wieder mal – wir haben das in Eller ja schon vorher erlebt – Wasser in die Düssel eingeleitet wird. Diesmal allerdings nur sehr spärlich fließend. Abwasser? Ein Bach? Oder was? Keine Ahnung. Siehe jedenfalls ziemlich braun und güllemäßig aus. Ein Wellness-Resort für Stadtratten …

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P. macht ein Röhrenfoto, dann ein weiteres Richtung flussaufwärts, und noch eines Richtung flussabwärts. Und danach treten wir den Rückweg zu den geparkten Autos an.

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Die Zeiten, in denen wir noch mit dem Fahrrad anreisen konnten sind vorbei. Was nicht daran liegt, dass man von unseren Büros und/oder Wohnungen nicht mit dem Rad hierhin fahren könnte. Nein, wir können momentan einfach nicht mehr als 45 Minuten für eine Etappe einplanen, also müssen „An- und Abreise“ so flott wie möglich von statten gehen.

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Auf Höhe einer Apotheke biegen wir von der Krippstraße in die Vohwinkelallee ein. Altbauporn, schön anzusehen. P. hat wieder mal sein iPhone gezückt.

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P.  macht Fotos, zeigt auf die Häuserfassen der Vohwinkelallee. Unausgesprochene Botschaft: Irgendwo dahinter verläuft die Düsssel. Wir enden vor einigen besprayten Mülltonnen, mit Blick auf die straßenbahnbefahrene Gumbertstraße.

P. liest den Spruch vor, der dort zu lesen ist: „Don´t grow up, it´s a trap!“

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„Upps, schon zu spät“, sage ich.

P. grinst. Ich grinse. Eine Straßenbahn fährt vorbei. Schweigend spazieren wir zu den Autos. Ab in die Falle …

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