(#7) Ein Garten mit Düssel-Zugang?!

in Düsseldorf

Wie sich die Düssel hinter Hinterhöfen versteckt / Wie man über drei Ecken bei „Manni, der Libero“ landet / Und warum Privatgärten mit Düssel-Zugang fast so schön sind wie der nächste Bundesliga-Aufstieg der Fortuna.

Bei unserem letzten Flanier-Etappe haben wir die Düssel gesucht, sie aber nicht gefunden. Stattdessen haben wir uns in in peinlichen Hipster-Bashing-Belanglosigkeiten verloren. Seitdem sind rund zwei Wochen vergangen.

„Na, wie war dein Familienurlaub“, frage ich, als wir uns vor dem Seifen Horst treffen.

„Jeden Tag eine Sandburg“, sagt mein bester Freund P. und grinst. „Erst mal `nen Kaffee trinken?“ Er deutet auf die Außenterrasse.

„Nee, sofort die Düssel suchen!“, sage ich. „Ich habe heute nur eine Dreiviertelstunde Zeit.“

Beim letzen Mal sind wir im Innenhof eines Häuserblocks gestrandet. Dort, wo hinter einem Spielplatz laut Google Maps eigentlich die Düssel aus ihrem unterirdischem Betonbett ans Licht kommen, beziehungsweise – in Fließrichtung gedacht – darin verschwinden müsste. Bis wir von der Buugaboo-Bürgerwehr grimmig beobachtet aufgegeben haben.

Wir rufen Google Maps auf und beschließen, die Benzenbergstraße entlang zu spazieren. Wir kommen an mehreren Toreinfahrten vorbei, werfen Blicke hinein, die von schmucklosen Hinterhöfen aufgefangen werden. Keine Düssel!

Trotzdem ist sie da, sie muss da sein, und wir wissen auch schon, wo wir sie abpassen werden: Wir biegen rechts in die Bachstraße ab, an einem Fortuna-Grafitto vorbei und folgen der Straße unter der Bahnunterführung.

„Warum heißt die Bachstraße eigentlich Bachstraße?“, fragt P. „Ob das an der Düssel liegen könnte?“

Ich zucke die Achseln. „Vielleicht ist die ja auch nach Johann Sebastian Bach benannt“, sage ich.

„Oder nach Patrick Bach“, meint P.

„Zu viel Silas geguckt als Kind?“

„Alle Folgen, genauso wie Patrik Pacard und Manni, der Libero.

Plötzlich erinnere ich mich zum ersten Mal seit vermutlich 30 Jahren an den Titelsong zur Jugend-TV-Serie Patrik Pacard . Damals habe ich mir die Single gekauft. Kurz gegoogelt! Lady Lily. Boah, ist ja schrecklich, kann die Stimmer nicht ertragen! Sprung zum Song zur Serie  “Manni der Libero”: Viel besser, viel sympathischer! Und wirklich schöner Text! 😉 Und an den vielen spanischsprachigen Kommentaren bei YouTube lässt sich ablesen, dass die Serie damals wohl auch in Südamerika erfolgreich war.

Wir kommen an einem Brötchenladen vorbei, passieren rechts die Niederstraße – eine kleine Stichsackgasse, die auf den Bahndamm zuläuft und bei der Wahl zur kürzesten Straße Düsseldorfs sicher gute Chancen hätte.

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Nun werden wir gleich auf die Stelle treffen, an der die mit Ausnahme eines Tunnels unter der Bahntrasse längst wieder oberirdisch verlaufende Düssel auf die Bachstraße trifft. Auf der anderen Straßenseite sehen wir die große Esso-Tankstelle. Und dann kann man bereits an beiden Straßenseiten das Geländer sehen. Das Geländer, das die Düssel von der Bachstraße trennt.

„Da vorne!“, sagt P. triumphierend. „Da ist sie!“

„Bist du verliebt?“, frage ich.

„Ja, total“, sagt er. „Ich würde sie am liebsten ausschlürfen.“

Wir lehnen am Geländer und schauen auf das zwar durchsichtige, aber etwas trüb-schlammig wirkende Düsselwasser, das gemächlich flussabwärts strömt. Rechts wird der Fluss von einer grauen, nur mit einigen schießschartenähnlichen Altbau-Fenstern gespickten Seitenfassade begrenzt.

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Eigentlich haben wir ja geplant, die Düssel flussaufwärts, gegen den Strom zu begleiten. Doch weil wir sie zwischenzeitlich verloren haben, spazieren wir nun ein wenig mit dem Strom, und zwar über einen Schulhof, der parallel verläuft.

„Die Düssel liebt Schulhöfe“, sagt P.,  während wir das offene Tor der Berufsschule passieren, ,„das ist schon der zweite, an dem ihr Lauf vorbeiführt.“

„Oder lieben Schulhöfe die Düssel?“, entgegne ich.

„Nee, die Düssel war zuerst da“, sagt P.

„Mal schauen, wie viele Schulhöfe noch kommen bis zu Quelle“, sage ich.

„Abteilung unnützes Wissen!“, meint P.. „Wir werden weltweit die ersten sein, die herausfinden, wie viele Schulhöfe direkt an das Düssel-Bett grenzen.“

Während er das sagt, fällt mein Blick zwischen den Schulhofbüschen hindurch auf die andere Düsselseite – und zwar auf einen Garten. Einen privaten Garten, der offenbar direkt an die Düssel grenzt.

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Wir spazieren weiter, und spähen über die Mauer, die den Schulhof, von der Düssel trennt: Auf der anderen Düssel-Seite sehen wir nicht nur einen Garten, es sind gleich fünf oder sechs. Sie müssen zu den Häusern auf der eben erwähnten Niederstraße gehören.

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Wer unser Blog von Anfang an verfolgt hat, weiß, dass ich davon träume ein kleines Häuschen mit Düssel-Zugang zu haben. Mein Herz klopft. Wie privilegiert sind die Menschen, die hier wohnen: Sie können sich einen Stuhl nehmen, sich an den Düsselrand setzen – und einfach aufs Wasser schauen und sich entspannen. Die meisten Gärten haben sogar eine Minitreppe, die ins Wasser führt.

„Fantastisch! Schau dir das an“, sage ich zu meinem besten Freund P., „wenn du hier wohnst, können deine Kinder direkt an der Düssel spielen.“

„Und dann womöglich ertrinken“, sagt P., „ich möchte hier nicht wohnen, da kannst du die Kids ja keine Sekunde aus den Augen lassen.“

„Lass uns eine kurze Pause machen“, sage ich, ohne auf ihn einzugehen. Ich schaue von der Schulhofmauer senkrecht ins Wasser hinunter. Dann schwenkt mein Blick wieder hoch, folgt der Fließrichtung, vorbei an dem letzten Gärten. Kurz bevor sie den Bahndamm erreicht, verschwindet die Düssel hinter Bäumen.

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Die Sonne scheint ins Flussbett hinein, die Bäume spiegeln sich. Dieser Moment ist mindestens so schön wie ein Auswärtssieg von Fortuna Düsseldorf. Nein, ich muss mich korrigieren: Er ist fast so schön wie der nächste Bundesliga-Aufstieg der Fortuna! Der jedoch wird der ganzen Stadt gehören. Dieser Moment gehört mir allein – so kitschig das auch klingen mag.

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